Emmy-Noether-Universität Göttingen

Das Studierendenparlament der Göttinger Universität spricht sich für eine Umbenennung dieser in
Emmy-Noether-Universität Göttingen
aus.

So beginnt der Text unseres Antrags für die kommende Sitzung des Studierendenparlaments. Es folgt ein knapper Satz dazu, dass der AStA beauftragt wird, einen entsprechenden Prozess in die Wege zu leiten und eine 1 1/2-seitige Begründung, warum die Universität Göttingen in Zukunft nicht mehr den Namen eines Monarchen aus dem 18., sondern den einer Mathematikerin aus dem 20. Jahrhundert tragen sollte. Wir könnten an dieser Stelle wiederholen, warum wir Emmy Noether für die perfekte Namenspatronin unserer Universität halten, verweisen dafür aber lieber auf den Antrag, den wir oben verlinkt haben.

Viel mehr soll es hier darum gehen, was dieser Antrag denn soll. Immerhin hält sich die Bedeutung eines Universitätsnamens im Alltag doch sehr in Grenzen. Gibt es denn keine drängenderen Probleme, die man bearbeiten sollte? Gerade in Corona-Zeiten gibt es da ja bekanntlich unzählige Probleme, zu denen wir uns überhaupt nicht geäußert haben.

Doch, natürlich gibt es die. Und das auch nicht nur in der Krise, sondern immer und zu jeder Zeit. Doch die Welt ist komplex. Wenn wir uns immer nur auf die akuten, vermeintlich drängenden Probleme konzentrieren, verlieren wir den Blick fürs Ganze. Und gerade in Krisenzeiten lohnt es sich, inne zu halten, einen Schritt zurück zu gehen und den Bick zu weiten.

Was bedeutet ein Universitätsname?

Fangen wir also am Anfang an. Was hat eigentlich dieser “Georg August” mit der Universität Göttingen zu tun? Nicht viel, außer dass dieser vor knapp 300 Jahren Jahren das Geld und eben seinen Namen gegeben hat, um in dieser Stadt eine Universität zu gründen. Selbst auf die anfängliche inhaltliche Ausrichtung hatte er kaum Einfluss, da er dies seinem Minister Münchhausen überließ. Der Name der Universität ist ausschließlich ein Denkmal für die einstmalige Größe und Generösität des entsprechenden Königshauses.

Übrigens ist es so mit vielen Universitäten in Deutschland: In Städten wie Heidelberg, München oder Würzburg tragen die Universitäten wie in Göttingen die Namen der Monarchen, die sie einst gegründet hatten. Nur in wenigen Städten, wie etwa Gießen oder Berlin wurden die Namen großen Gelehrten gewidmet (in diesen Fällen dem Chemiker Justus Liebig und den Gebrüdern Humboldt). Der Grund für diese Umwidmungen waren meist disruptive Veränderungen wie eine faktische Neugründung nach dem zweiten Weltkrieg (Gießen) oder eine ideologische Abkehr vom alten Namensgeber (Berlin). Die meisten Universitäten in Deutschland sind jedoch gar nicht benannt und heißen einfach nur nach ihrer Stadt. Letzteres ist die vermutlich zeitloseste und aus ideologischen Gesichtspunkten ungefährlichste Variante.

Umbenennungen gab es immer

Universitätsumbenennungen finden auch in jüngerer Zeit statt. Ein prominentes Beispiel ist die Universität Greifswald, die 1933 nach dem Dichter Ernst Moritz Arndt benannt wurde und ihren Namen auch nach dem zweiten Weltkrieg weiter behalten hat. Erst nach Protesten und langen Diskussionen entschied man sich im Jahr 2018 schließlich dafür, den Namen aufgrund seines Antisemitismus abzulegen. Man entschied sich für die oben erwähnte “ungefährliche” Variante einer schnöden Benennung nach der eigenen Stadt.

Doch es geht auch anders herum. Im November 2005 sprach sich der StuRa der damals noch als “Universität Hannover” bekannten Universität für eine Benennung nach Theodor Lessing, einem der ersten bekannten Todesopfer des Nationalsozialismus, aus. Die Studierendenschaft lehnte in einer Urabstimung diesen Namen ab, eine Diskussion um den Namen war aber entfacht. Schlussendlich wurde die Universität – auch nach einigen tiefgreifenden Veränderungen in der Universitätsstruktur – nach dem Hannoveraner Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz benannt.

Namen – Mehr als Schall und Rauch?

Was also bedeutet der Name einer Universität nun? Im simpelsten Fall ist der Name einer Universität einfach nur eine Ehrung der*s Namensgebers*in (zummindest in Deutschland bräuhte es den Gender-Stern an dieser Stelle gar nicht, da es bei Universitäten bisher ur Namensgeber gibt – ein Umstand, der mit unserem Antrag geändert würde). So ist es bei allen Universitäten, die nach Monarchen benannt sind.
Ein Name steht jedoch immer auch für eine gewisse Identifikation. Diese Funktion ist sogar dann erreicht, wenn die Universität einfach nur den Namen der Stadt trägt, in der sie beheimatet ist.

Im besten Fall jedoch steht der Name für bestimmte Ideale, die mit dem Namen verbunden sind. Dies gilt umso mehr, wenn sich die Universität nach ausführlicher interner Diskussion selbst den Namen gibt und mit der Umbenennung eine Diskussion um das eigene Narrativ und die Strategie verbindet.

Letzteres muss natürlich auch mit der nun in Göttingen anvisierten Umbenennung einher gehen. Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse in der Exzellenzstrategie vor inzwischen fast zwei Jahren hatten wir strukturelle Konsequenzen und einen breiten Dialog mit allen Statusgruppen zur künftigen Ausrichtung und Strategie der Universität gefordert. Ein solcher breiter universitätsweiter Diskurs blieb bisher aus, stattdessen versank die Universität rund um die Diskussion um den Kandidaten für die Leitung der Universtät im Chaos.

Ein Diskussionsanstoß

Dis Diskussion um die Zukunft der Universität wird seitdem vertagt, weil man erst die Entscheidung über die neue Universitätsleitung abwarten möchte. Doch ist das wirklich so sinnvoll? Viel mehr ist schon wertvolle Zeit verstrichen, die man hätte nutzen können, um Beteiligungsformate zu verschiedenen Themen zu etablieren. Freilich: in den vergangenen drei Monaten war die Universität mit anderen Dingen beschäftigt, man musste im Schnelldurchlauf alle Versäumnisse der vergangenen ca. 30 Jahre wettmachen, was Digitalisierung in Forschung und Lehre angeht.

Doch was nicht war, kann ja noch werden. Mit diesem Vorschlag möchten wir die Universität aus ihrem Dornröschenschlaf aufwecken. Wir möchten eine Diskussion entfachen über die Werte und Ziele, die diese Universität verfolgt. Damit meinen wir nicht, dass gleich das Leitbild der Universtät über Bord geworfen werden soll, das gerade einmal 14 Jahre jung ist und durch das erst zwei Jahre alte “Leitbild Lehren und Lernen” ergänzt wird. Aber es gibt sicherlich einige Dinge, die eine Universität anders machen würde, wenn sie im Jahr 2020 nochmal von vorne anfangen würde. Gerade aus der derzeitigen Krise lernen wir, dass sich scheinbar festgefahrene Strukturen ändern lassen, wenn man denn nur einen Anlass hat. Einen solchen Anlass möchten wir geben.

Das liebe Geld

Und selbstverständich ist uns bewusst, dass an zahlreichen Ecken und Enden das nötige Geld fehlt. Gerade die Infrastruktur, die in vielen Bereichen massiven Modernisierungsbedarf hat, ist chronisch unterfinanziert. Wenn Geld ausgegeben werden muss, gibt es zahlreiche Dinge, die gemacht werden müssten, bevor irgendwelche Schilder ausgetauscht werden. Und natürlich wäre es damit nicht getan. Das Logo bräuchte ein Redesign, bei der Gelegenheit könnte auch das ganze Corporate Design der Uni ein Update bekommen. All dies kommt nicht umsonst, es kostet Zeit und damit eben auch Geld.

Jedoch ist das Kostenargument als vermeintliches Totschlagsargument häufig lediglich vorgeschoben. Es verhindert eine ernsthafte Debatte darüber, wer wir als Universität sein wollen, wo wir hin wollen und wie wir uns in der Welt präsentieren wollen. Das Kostenargument wird vor allem aus einem Grund herangeführt: Bequemlicheit. Wenn die möglicherweise unbequeme Debatte um diesen fundamentalen Wechsel direkt unterbunden wird mit dem Argument, dass ein mögliches Ergebnis sowieso nicht umgesetzt werden könnte, zeugt dies von einer geistigen Unbeweglichkeit, die man leider nur zu oft an den Universitäten beobachtet.

Eine Entscheidung für Jahrhunderte

Die Umbenennung einer Universität ist eine Entscheidung, die auf gar keinen Fall leichtfertig getroffen werden sollte. Man muss sich bewusst sein, dass es potentiell eine Entscheidung für Jahrhunderte sein könnte. Aus diesem Grund sind wir auch für eine breite Diskussion innerhalb der Universität, die auch nicht nur über den Namen geführt werden sollte. Wir stehen hier am Anfang eines möglicherweise langwierigen Prozesses, wenngleich er hoffentlich nicht die ca. 20 Jahre dauern wird, die es in Düsseldorf oder Oldenburg gedauert hat, bevor die dortigen Universitäten schlussendlich zu ihren Namen kamen.

Doch jeder noch so lange Weg beginnt irgendwann mit dem ersten Schritt. Und vielleicht ist unser Antrag eben dieser. Vielleicht ist es auch nur ein Schritt in einen Holzweg. Wir werden es nur erfahren, wenn wir den Weg auch tatsächlich gehen.

Neuer AStA im Amt

Am 27. Februar hat das Studierendenparlament in seiner 17-stündigen konstituierenden Sitzung einen neuen linken AStA bestehend aus Grüner Hochschulgruppe, Juso-HSG, Alternativer Linker Liste, Nerdcampus, Die LISTE und SRK in ihre Ämter gewählt und ist damit dem Auftrag der Studierenden gefolgt, den diese im Januar bei den Hochschulwahlen artikuliert haben. Zusätzlich zu den fünf vorgegebenen Referaten wurden fünf weitere eingerichtet, die die politische Schwerpunktsetzung für das kommende Jahr unterstreichen: Digitalisierung & Datenschutz, Ökologie und Nachhaltigkeit, Gender & Diversity, Soziale Kämpfe und Politische Bildung. Der neue allgemeine Studierendenausschuss nimmt seine Arbeit umgehend auf.

Zum neuen AStA-Vorsitzenden wurde Felix Schabasian (Juso-HSG) gewählt, außerdem sprach das Parlament Pippa Schneider (GHG) als Finanzreferentin, Jannes Rösener (ALL) als Hochschulreferent, Hauke Bruns (Juso-HSG) als Sozialreferent und Johanna Wagner (ALL) als Außenreferentin das Vertrauen aus. Neuer Referent für Digitalisierung & Datenschutz wird Felix „Astarix“ Schelle (GHG). Marco Christl (GHG) übernimmt das Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit und Dorothea Hellenthal (ALL) das Referat für Gender & Diversity. Luca Diekgraefe (ALL) ist Referent für Soziale Kämpfe und Sofia Dräger (Juso-HSG) Referentin für politische Bildung. Zudem wird in den kommenden Wochen eine autonome Sachbearbeiter*innen-Stelle für Kultur eingerichtet, die voraussichtlich durch Jakob Kepke und Clara Lindner (beide Die LISTE) ausgefüllt wird.

Zu den allgemeinen Zielen der neuen Koalition gehören eine soziale, nachhaltige, feministische und insgesamt progressive Hochschulpolitik unter Wahrnehmung eines allgemeinpolitischen Mandats, sowie der aktive Kampf gegen gruppenbezogene Diskriminierung. So möchte sie bspw. auch klar antifaschistisch auftreten. Das wohl aufwändigste Großprojekt des kommenden Jahres wird die Wiederauflage eines politischen Campusfestivals sein. Serviceangebote sollen in ähnlicher Form wie in den vergangenen Legislaturperioden durchgeführt werden, werden aber teilweise überarbeitet. Die Koalitionsgruppen haben sich bereits auf eine ausführlichere Agenda geeinigt, die in den nächsten Wochen öffentlichkeitswirksam präsentiert werden wird.

Vorsitzender Felix Schabasian erklärt zur Aufnahme der AStA Arbeit:

Ich bin froh, dass wir diesen AStA stellen dürfen. Wir werden keine Kosten und Mühen scheuen, ihn über das kommende Jahr mit Leben zu füllen. Gerade in Zeiten, wo sich Teile der Gesellschaft von der Wissenschaft abwenden, sich Rechtsradikalismus auf dem Vormarsch befindet und besonders jungen Menschen in der Politik wenig Gehör geschenkt wird, ist es wichtig, dass sich eine starke Studierendenvertretung auch politisch positioniert! Ich lade alle ein, an diesem Projekt teilzunehmen.“

Eine der ersten größeren Arbeiten wird die Erstellung eines Haushaltsplans sein. Finanzreferentin Pippa Schneider führt hierzu aus: „Wir wollen zusätzlich zur Haushaltsaufstellung dieses Jahr im Rahmen eines Genderbudgeting analysieren, wem die zur Verfügung gestellten Mittel nutzen. Dabei sollen die Vergabepraktiken unter queerfeministischen Gesichtspunkten näher beleuchtet werden, sodass dann Maßnahmen für die Haushaltsaufstellung etabliert werden können, die das Erreichen von Gleichstellungszielen ermöglichen.”

Zum erstmals eingerichteten Referat für Soziale Kämpfe erklärt der zuständige Luca Diekgraefe:

Der gewählte AStA wird durch die erstmalige Schaffung eines Referats für soziale Kämpfe die Interessen der Studierenden und darüber hinaus der Arbeitenden an dieser Universität in noch weiterer Weise vertreten: Wir wollen an bestehende Strukturen anknüpfen und die Lebensrealitäten der Studierenden und Arbeitenden verbessern, indem wir uns zum Beispiel für bessere Arbeits- und Wohnbedingungen einsetzen. Außerdem wollen wir Strukturen schaffen, in welchen sich Studierende zum Zweck der politischen Selbstermächtigung zusammen organisieren können.“

Auch andere Bereiche, wie die Systemakkreditierung und eine gute Zusammenarbeit mit den Fachschaften werden den neuen AStA beschäftigen. Lorenz Glißmann (Nerdcampus) erklärt hierzu:

Wir werden uns in zusätzlichem Maße für die strukturelle Verbesserung von Studium und Lehre einsetzen, indem wir uns konstruktiv in die Qualitätssicherungsprozesse der Universität einbringen. Wie auch bei vielen anderen Themen werden wir dazu verstärkt die Vernetzung der Studierendenvertreter*innen der einzelnen Fakultäten fördern, sowohl untereinander, als auch mit dem AStA.“

Referentin für politische Bildung Sofia Dräger summiert bezüglich der neuen Strukturen und ihres eigenen Ressorts:

“Die Einrichtung der neuen Referate zeigt, dass der neue AStA sein politisches Mandat ernsthaft ausfüllen wird. Das Referat für politische Bildung wird mit inhaltlichen Veranstaltungen seinen Teil dazu beitragen, dass die Studierenden sich über die politischen Verflechtungen ihrer Studiengänge informieren, dass rechte Gewalt überall bekämpft und die lebendige Demokratie an der Hochschule und anderswo gelebt wird.”

Warum wir der Wahl zum Stupa widersprochen haben

Heute morgen, am 31. Januar haben wir formalen Einspruch zur Wahl zum Studierendenparlamant der Georg-August-Universität eingelegt. Unser Kernpunkt ist dabei das Sitzzuteilungsverfahren d’Hondt. Das Verfahren bevorzugt stimmenstarke Listen bei der Sitzvergabe und benachteiligt dadurch kleinere Listen.

Nach dem Niedersächsischem Hochschulgesetz (NHG) gelten für die Wahlen der Studierendenschaft Wahlgrundsätze (§ 20 Abs. 2 (2) NHG):

 Das Wahlrecht zu den Organen der Studierendenschaft wird in freier, gleicher und geheimer Wahl ausgeübt.

Zum Grundsatz der Gleichheit gehört auch, dass alle Stimmen möglichst gleich viel “Wert” sein sollen, also einen möglichst ähnlich hohen Einfluss auf die Anzahl der Sitze im Studierendenparlament haben sollen. Und eben dieser Grundsatz wird durch das Verfahren d’Hondt verletzt.

Das lässt sich am Beispiel der diesjährigen Wahlen recht einfach verdeutlichen:

Wahlergebnisse 2019 in Sitzen (mit Anteil)

Dieses Jahr hat das Studierendenparlament 61 Sitze. Um nun eine konkrete (ganzzahlige) Anzahl an Sitzen für jede Wahlliste zu ermitteln, werden bestimmte Rechnenverfahren eingesetzt, die man Sitzzuteilungsverfahren nennt. Zwei bekanntere Sitzzuteilungsverfahren sind d’Hondt und Sainte-Laguë.

Anzahl der Sitze nach d’Hondt

Der ADF als größter Liste stehen rechnerisch 21,6 Sitze zu, sie erhält aber nach dem d’Hondt’schen Verfahren 23 Sitze. Sie erhält nicht nur aufgerundete 22 Sitze, sondern wird durch einen weiteren Sitz über das ihr zustehende Maß hinnaus bevorzugt. Genauso erhält die Liste “Die Partei” keinen Sitz obwohl sie mit einem erwarteten Wert von 0,9 Sitzen sehr viel näher an einem Sitz ist, als die ADF an ihrem 22. Sitz. Das Verfahren Sainte-Laguë verhält sich hier grundsätzlich anders. Im Unterschied zu d’Hondt versucht es Sitzanteile möglichst genau in ganze Sitze umzurechnen. In der Tat entspricht das genau dem Wahlgrundsatz der Gleichheit, denn eine möglichst genau Modellierung der Wählerstimmen ist gleichbedeutend mit einer Gleichgewichtung aller Stimmen.

Anzahl der Sitze nach Sainte-Laguë/Schepers

 

Dieses Beispiel zeigt auch gut, warum der U​nterschied zwischen den Verfahren d’Hondt und Sainte-Laguë sehr relevant ist. Typischerweise zeigt sich zwischen den Listen ADF, RCDS und LHG, sowie zwischen den Listen GHG, JuSo, ALL, SRK und der PARTEI eine stärkere Äffinität, diese Gruppen haben in der Vergangenheit bereits in einer Koalition den AStA gestellt.

In diesem Fall verliert der Block ADF, RCDS und LHG bei einem Wechsel auf das Verfahren Sainte-Laguë die Mehrheit, die sie durch die unfaire Struktur von d’Hondt bekommen.

Weiterhin bedeutet das Verfahren d’Hondt bereits seit Jahren eine strukturelle Benachteiligung des linken politischen Spektrums im Studierendenparlament. Dies liegt in der größeren Zahl und dem geringeren Stimmgewicht pro Liste begründet.

Zur Änderung des Sitzzuteilungsverfahrens ist eine 2/3 Mehrheit notwendig, die in der Vergangenheit nicht aufgebracht werden konnte [4]. Da das Verfahren den Wahlgrundsätzen widerspricht und damit nicht den rechtlichen Vorgaben genügt, haben wir uns gezwungen gesehen die Abschaffung dieses Verfahrens nicht länger der demokratischen Selbstkontrolle des Parlaments zu überlassen.

Dieser Artikel basiert teilweise auf Inhalten, die unter Beer Ware Lizenz gestellt sind:

“THE BEER-WARE LICENSE” (Revision 42):
feconi@posteo.de wrote this thing. As long as you retain this notice you can do whatever you want with this stuff. If we meet some day, and you think this stuff is worth it, you can buy me a beer in return – Asterix

Quellen und weitere Informationen zum Nachlesen:

Nerdcampus und LiLi als Liste vereint

Wenn ihr euch die offiziellen Hochschulwahl-Veröffentlichungen anschaut, wird euch auffallen, dass die Nerdcampus-Liste zusammen mit der Linksliberalen Liste eine Liste für die Wahlen des Studierendenparlaments bildet. Das bedeutet, dass jede Stimme für die LiLi auch für Nerdcampus zählt und jede Stimme für Nerdcampus für die LiLi. Die Listen agieren sozusagen als gemeinsame „Partei“.

In den vergangenen Jahren traten wir noch getrennt an, also wie kommt es zu der „Fusion“?

Die Linksliberale Liste und Nerdcampus teilen ein grundsätzliches Verständnis davon, wie Hochschulpolitik gestaltet werden sollte. Beide Listen treten engagiert für Transparenz, Effizenz und Digitalisierung im AStA und der Universität ein. Aus diesem Verständnis sind zwei verschiedene Schwerpunkte erwachsen. Nerdcampus tritt einerseits vorrangig für die Interessen des Nordcampus ein und setzt sich für bessere Lernbedingungen und bessere Infrastruktur am Nordcampus ein, andererseits liegt ihnen das Thema „Digitalisierung“ in seinen verschiedenen Aspekten sehr stark am Herzen. Die Linksliberale Liste möchte den AStA effizienter gestalten und die demokratische Kultur wieder stärken. Außerdem setzt sie sich für bessere Lernbedingungen von Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen ein. Im Kontrast zu Nerdcampus wirkt sie vornehmlich am Zentralcampus. Wir denken, es ist Zeit aus der individuell erfolgreichen Arbeit ein Kooperationsverhältnis zu machen. Unsere Programme unterscheiden zwar thematisch, sind aber nicht nur kompatibel, sondern ergänzen sich gegenseitig. Unsere gemeinsame Liste ist daher ein großer Gewinn für die Studierendenschaft.

Was bedeutet das für die WählerInnen und die AnhängerInnen der beiden Listen?

Die Kooperation dient primär dazu, effizienter zu arbeiten, Doppelstrukturen zu vermeiden und Programminhalte zu ergänzen. Jede Liste hat nach wie vor eigene Mitglieder, ein eigenes Wahlprogramm und eine unabhängige Agenda. Bald werden wir unser gemeinsames Wahlprogramm veröffentlichen. Beide Listen tragen in gleichem Maße zu diesem Programm bei. Dieses Programm ist das Produkt unserer Kooperation und bietet eine umfangreiche und ausgereifte Verbesserung der Studienbedingungen an Nord- und Zentralcampus

Wir sind sehr glücklich, diese Kooperation nun beginnen zu dürfen. Personelle Kontakte zwischen Nerdcampus und heutigen LiLi-Mitgliedern bestanden schon seit der Gründung von Nerdcampus vor zwei Jahren. Bisher agierten wir in der Zielsetzung vereint, aber als Gruppen getrennt. Es ist ein Gewinn – sowohl für die WählerInnen als auch für uns. Besonders im Wahlkampf können nun ineffektive Doppelstrukturen durch Kooperation und gemeinsames Arbeiten für eine effektivere und offenere Hochschulpolitik abgelöst werden.

Falls Ihr noch Fragen zu unserer Kooperation habt, schreibt uns gerne eine Mail.

Statemet zum Abschneiden der Uni Göttingen in der Exzellenzstrategie

Viele von euch haben es bereits mitbekommen:

In der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern ist unter den bundesweit 57 geförderten Forschungsclustern aus Göttingen nur der Cluster “Multiscale Bioimaging: From Molecular Machines to Networks of Excitable Cells” dabei. Den beteiligten Forscherinnen und Forschern aus der Medizin, Physik, Chemie, Biologie, Mathematik und zwei Max-Planck-Instituten gratulieren wir an dieser Stelle und wünschen Ihnen viel Erfolg mit ihrer Forschung an diesem wichtigen Themengebiet!

Leider geht mit dieser Entscheidung jedoch einher, dass die Universität sich in der zweiten Runde der Exzellenzstrategie nicht auf den Titel als “Exzellenzuniversität” bewerben kann. Dies ist auch aus Studierendensicht bedauerlich, da mit diesem Titel eben nicht nur eine große Reputation, sondern auch viele Millionen an Fördergeld an die Uni gekommen wären, die zu einem Teil auch einer exzellenten Lehre hätten zugute kommen können.

Doch möchten wir nicht in das allgemeine Wehklagen und die Forderungen nach personellen Konsequenzen mit einstimmen, die nun unvermeidlich aus den verschiedensten Ecken laut werden.

Im Gegenteil: Wir sind froh, dass das ganze damit durch ist und der Universität Göttingen nun ein großer Konformitätsdruck genommen ist, denn das gibt ihr Raum um die weitere Entwicklung zu planen und hierbei auch mal Wege zu gehen, die man bei einer reinen Fokussierung auf den Exzellenzstatus vielleicht gescheut hätte.

Wir fordern von der Universität daher keine personellen, sondern viel mehr strukturelle Konsequenzen. Jetzt ist die Zeit, um mit allen Statusgruppen in einen breiten Dialog zu treten, was die Strategie der Uni sein soll, wie strukturelle Großprojekte wie die Systemakkreditierung oder die Stärkung digitaler Kompetenzen im Studium in Zukunft ausgestaltet werden soll und welche Großprojekte in Zukunft angegangen werden sollten. Eine massive Stärkung der Hochschuldidaktik und der Lehramtsausbildung könnte hier zum Beispiel ein Weg sein, den wir gehen könnten.